Eine Zwangsbildungs- und Kulturanstalt in der NS-Zeit
Seit 1921 unterhielt die orthodoxe Gemeinde Adas Israel bereits eine eigene Volksschule in Nürnberg, die im Jahr 1934 mit der neugegründeten Jüdischen Schule zusammengelegt wurde. Diese Zwangsfusionierung war das Ergebnis der schon ab 1933 beginnenden fortschreitenden Verdrängung von jüdischen Schülern aus den öffentlichen Bildungseinrichtungen.

Nach kurzer Umbauzeit eines großen mehrstöckigen Fabrik- und Bürogebäudes im Ortsteil Gostenhof konnten pünktlich zum Schulbeginn 1934 bis zu 500 jüdische Schüler in acht Volksschul-, drei Berufs- und drei Aufbauklassen unterrichtet werden.

Weiterhin fanden in dem Gebäude, das zudem über eine geräumige Turnhalle verfügte, zahlreiche Fortbildungskurse für Erwachsene sowie kulturelle Veranstaltungen statt.
Über die Eröffnung der Schule berichtete das Nürnberg-Fürther Israelitisches Gemeindeblatt in seiner Ausgabe vom 1. September 1934 ausführlich:
„Die Eltern werden ihre Kinder mit viel Freude in die schönen Räume der neuen Schule schicken können und Lehrer und Schüler werden mit neuem Eifer an die Arbeit gehen. Zum Schluss sei dann noch auf das Schmuckstück der neuen Schule, auf die dem Haus vorgebaute Turnhalle hingewiesen. Die Halle dient nicht nur den Zwecken der Schule, sondern sie steht auch dem jüdischen Turn- und Sportverein Nürnberg für den Hallensport zur Verfügung.
Möge aus dieser Schule eine frohe und lebenstüchtige Jugend hervorgehen, dies wird der beste Dank für dieses großzügige Werk der Nürnberger Gemeinde sein.“
Nach dem Abriss der Nürnberger Hauptsynagoge im August 1938 und der Zerstörung der orthodoxen Synagoge in der Pogromnacht wurde in der Turnhalle eine Notsynagoge und für die orthodoxe Gemeinde eine extra Betstube eingerichtet. Das Schulgebäude diente zudem als Sitz der jüdischen Gemeindeverwaltung.
Ab Sommer 1942 war es reichsweit verboten, dass jüdische Schulen Unterricht erteilten. Die Bildungseinrichtung wurde liquidiert und das Inventar, insbesondere die Werkzeuge und Maschinen der Lehrwerkstätten, für den Versand ins Ghetto Theresienstadt verladen. Als die jüdische Gemeinde im Juni 1943 offiziell aufgelöst wurde, beschlagnahmte die Gestapo das restliche Mobiliar, die Bibliothek und die Bestände der Kleiderkammer. Die in „den ehemaligen Räumen der israelitischen Kultusgemeinde vorhandenen Gegenstände [sind] zum Zwecke der Verwertung aufzunehmen“, verfügte der Oberfinanzpräsident, um sie an den Meistbietenden zu verkaufen. Der Erlös „wurde dem Reich überlassen“.
Quellen
Die neue jüdische Gemeindeschule, in: Nürnberg-Fürther Israelitisches Gemeindeblatt, 1. September 1934.
Arnd Müller, Geschichte der Juden in Nürnberg 1146–1945, Nürnberg 1968.
Katrin Bielefeldt, Notsynagoge, Emigrationsvorbereitungen und die Auflösung der Gemeinde, in: Meier Schwarz, Der Synagogensucher. Lebenserinnerungen zwischen Nürnberg und Palästina, Nürnberg 2006.
Jim G. Tobias, Die „Aktion 3“. Verwaltung und Verwertung des Eigentums der Deportierten, in: Museen der Stadt Nürnberg (Hg.), Entrechtet. Entwürdigt. Beraubt. Die Arisierung in Nürnberg und Fürth, Petersberg 2012.