Kurt Landauer – Der jüdische FC Bayern-Präsident

Als Kurt am 28. Juli 1884 in Planegg bei München das Licht der Welt erblickte, war es dem Jungen nicht in die Wiege gelegt, dass er einmal deutsche Fußballgeschichte schreiben würde. Er wurde als viertes von sieben Kindern des jüdischen Textilkaufmanns Otto Landauer und seiner Frau Hulda in eine gutsituierte Familie hineingeboren. Nach Abschluss seiner gymnasialen Schulausbildung begann Kurt eine Banklehre in Lausanne und war danach als Bankangestellter in Florenz tätig. Schon in frühester Jugend trat er dem FC Bayern München bei, spielte aktiv Fußball und engagierte sich in der Administration des Vereins.

Nach seinem Auslandsaufenthalt trat Landauer 1913 in das väterliche Textilgeschäft ein, wo er bis zur Schließung 1923 arbeitete. Danach fand er eine Anstellung bei den „Münchner Neueste Nachrichten“; dort war er bis zum 1. April 1933 beschäftigt, zuletzt als Leiter der Anzeigenabteilung. Zu dieser Zeit hatte er auch das Amt des Präsidenten des FC Bayern inne, zunächst für ein Jahr von 1913 bis 1914, dann von 1919 bis 1933. Landauer war maßgeblich für die Professionalisierung des Fußballklubs verantwortlich, die zu Mitglieder- und Zuschauerwachstum führte und somit die entscheidende Grundlage für die spätere Erfolgsgeschichte des FC Bayern München legte. Nach mehreren Süddeutschen Meisterschaften und der Teilnahme an Finalrunden war 1932 die erste Deutsche Fußballmeisterschaft des FC Bayern auch keine Überraschung. Im Finale bezwang die Münchner Elf das Team von Eintracht Frankfurt mit 2:0 Toren.

Deutscher Fußballmeister 1932: Kurt Landauer und der FC Bayern Foto: Jüdisches Museum München (Nachlass Kurt und Maria Landauer)

Mit der „Machtübernahme“ der Nationalsozialisten war Kurt Landauer gezwungen, seinen Posten als Fußballpräsident aufzugeben. Am 22. März 1933 trat er zurück, nachdem die Presse verkündete: „Konzentrationslager für politische Gefangene in Dachau eingerichtet“. Auch seine berufliche Existenz war ruiniert – am 1. April 1933 erhielt Landauer von der Leitung der „Münchner Neueste Nachrichten“ die Kündigung. Er versuchte sich als Versicherungsvertreter und kam schließlich in einer Wäschefabrik unter. Am Morgen nach der Pogromnacht im November 1938 wurde Landauer ins Konzentrationslager Dachau verschleppt. Nach seiner Entlassung gelang ihm mit Hilfe einer Freundin 1939 die Flucht in die Schweiz. Zurück musste er seine große Liebe lassen, das christliche Hausmädchen Maria Baumann. Die Beziehung zu ihr war mehr als schwierig, da über dem Paar stets das Damoklesschwert der „Rassenschande“ schwebte.

Im Exil verfasste Landauer einen Bericht über sein Leben. In der handschriftlichen Biografie erzählt er die Geschichte seiner Familie, die sich bis ins 17. Jahrhundert zurückverfolgen lässt und bittet Maria Baumann ihn zu heiraten. Neben diesem Text schrieb Kurt viele Briefe an seine geliebte Maria, in denen sich die Alltäglichkeit zweier Schicksale mit der Weltgeschichte verflechten.

Am 26. Juni 1947 kam Kurt Landauer nach München zurück. Er gehört zu den wenigen deutschen Juden, die sich entschieden hatten, einen Neuanfang in der alten Heimat zu wagen. Noch im selben Jahr wurde Landauer erneut zum Präsidenten des FC Bayern gewählt. Das Amt übte er bis 1951 aus. Über sein Leben erschienen in den letzten Jahren zahlreiche Berichte – in Film, Funk und Fernsehen. Der Tenor dieser Veröffentlichungen war unisono, dass Landauer aufgrund seiner Leidenschaft für den Fußball und FC Bayern nach München zurückgekehrt sei. Weit gefehlt: Seine unbändige Liebe zu Maria, die er später dann auch heiratet, war der Grund für das Wagnis, sich ins Land der Dichter und Henker zu begeben. Vor seiner Abreise schrieb er am 10. Mai 1947 an seine Geliebte: „Du, Maria, Du wirst mich niemals enttäuschen, Du nicht. Denn Du bist ein so feiner, so über alle Maßen im Denken und Handeln anständiger Mensch, dass man sich aufrichten kann an Dir und ich weiß auch, dass Du alles tun wirst, um mir das Einleben so leicht zu machen, als es nur gehen wird. Ich vertraue so restlos auf Dich, mein Gutes.“

Fast die ganze Familie von Kurt Landauer wurde von den Nationalsozialisten ausgelöscht. Von seinem FC Bayern hatte der langjährige Präsident nach 1933 anstatt Solidarität und Hilfe Ausgrenzung und Demütigung erfahren. Denn der Verein nahm in seinem Verhältnis zum Nationalsozialismus keine Sonderrolle ein, wie vermeintlich oft behauptet wurde: seine Funktionäre agierten eben nicht nur als bloße Befehlsempfänger, sondern beteiligten sich als treue Handlanger im Sinne der nationalsozialistischen Ideologie.

Kurt Landauer starb 1961 im Alter von 77 Jahren und ruht auf dem Neuen jüdischen Friedhof in München. Es mussten über 50 Jahre vergehen bis dem „Mann, der den FC Bayern erfand“ im November 2013 von seinem geliebten Verein posthum die Ehrenpräsidentschaft verliehen wurde.

Quellen:

Gregor Hofmann, Mitspieler der „Volksgemeinschaft“: Der FC Bayern und der Nationalsozialismus, Göttingen 2022.
Jutta Fleckenstein/Rachel Salamander (Hg.), Kurt Landauer – Der Präsident des FC Bayern: Lebensbericht und Briefwechsel mit Maria Baumann, Berlin 2021.