Levi Strauss – Eine bayerisch-jüdische Erfolgsgeschichte

Vom Armutsemigranten zum erfolgreichen Textilunternehmer

Als Sohn des Hausierers Hirsch Strauss und seiner Frau Rebecca wurde Levi, als jüngstes von sieben Kindern, unter dem Namen Löb am 26. Februar 1829 in der bäuerlich geprägten bayerischen Ortschaft Buttenheim (Landkreis Bamberg) geboren. Sein Name wurde zur Legende, da er vor 150 Jahren in San Francisco ein Patent für Arbeitshosen mit vernieteten Taschen anmeldete: Die Geburtsstunde der Levi’s Jeans, der berühmtesten Hose der Welt.

Um 1800 zählten etwa 20 Prozent der Bewohner von Buttenheim zur jüdischen Minderheit. Viele waren im Viehhandel tätig oder verdienten ihren bescheidenden Lebensunterhalt als fliegende Händler. Der Ort verfügte über eine Synagoge, ein Schulhaus und einen noch heute existierenden Friedhof. Jahrhunderte wohnten und arbeiteten Juden in der Gemeinde. Bereits zur Mitte des 19. Jahrhunderts war allerdings ein deutlicher Rückgang der jüdischen Bevölkerung zu verzeichnen. Der Grund: Die Beschränkungen des Matrikelgesetzes, in dem die Höchstzahl der jüdischen Familien pro Ortschaft festgelegt wurde, sowie die schwierige wirtschaftliche Situation. Viele suchten deshalb ihr Glück in der Neuen Welt.

Levi Strauss um 1860 (Repro: Levi-Strauss-Museum)

Nach dem Tod ihres Ehemanns und Ernährers 1846 entschloss sich ein Jahr später Rebecca Strauss mit den Kindern Löb, Fanny und Mathilde auch nach Amerika auszuwandern. In New York wurden sie bereits sehnsüchtig erwartet. Die beiden älteren Sprösslinge Jonas und Louis hatten die Reise über den Grossen Teich schon einige Zeit vorher angetreten und mittlerweile einen Textilhandel in der Metropole am Hudson aufgemacht. Im florierenden Geschäft der Brüder lernte Löb, der sich nun Levi nannte, das Handwerk von der Pike auf.

Anfang der 1850er Jahre erreichte die Nachricht vom kalifornischen Goldrausch die Ostküste. Levi Strauss übersiedelte nach San Francisco. Zusammen mit seinem Schwager David Stern eröffnete er eine kleine Textilfabrik. Hier produzierte er aus segeltuchähnlichem Material strapazierfähige Arbeitshosen. Bei den Goldsuchern, Farmern und Ranchern des „Wilden Westens“ fanden die Beinkleider schon bald gewaltigen Zuspruch. Doch es dauerte noch 20 Jahre, bis die erste Original Levi‘s Jeans gefertigt wurde. Ein Geschäftsfreund Levi Strauss‘, der Schneider Jacob Davis aus dem Nachbarstaat Nevada, hatte die bahnbrechende Idee. Davis schlug vor, Metallnieten an den Stellen anzubringen, wo die Hose besonders belastet wird: an den Ecken der Taschen. Da ihm das Geld für die Patentierung dieser Geschäftsidee fehlte, unterbreitete er Levi den Vorschlag, sich an dem Geschäft zu beteiligen. Strauss war von der Idee begeistert. Nach einem zehn Monate dauernden bürokratischen Prozess erhielten Jacob Davis und Levi Strauss am 20. Mai 1873 vom „US Patent and Trademark Office“ die Schutzurkunde für die „waist overalls“, wie die Jeans damals noch hießen.

Levi Strauss & Company in San Francisco um 1900 (Repro: Levi-Strauss-Museum)

Schon bald lief die Massenfabrikation der kupfervernieteten Arbeitsbekleidung auf Hochtouren. Einige Jahre später erhielt die Spezialhose die interne Warennummer „501“. Damit war eine Legende geboren. Die Levi‘s 501!
Alle Hosen tragen zudem ein aufgenähtes Etikett, das „Two Horses Patch“. Das sicher bekannteste Markenlogo der Welt zeigt zwei Pferde, die versuchen die Hose zu zerreißen, und weist damit auf die schiere Unverwüstlichkeit des Bekleidungsstücks hin.

Dass sich die robuste Hose allerdings einmal zu einem Kultobjekt des 20. Jahrhunderts entwickeln sollte, erlebte Levi Strauss nicht mehr. Er starb als wohlhabender und angesehener Bürger San Franciscos am 26. September 1902. Sein Nachlass belief sich auf etwa sechs Millionen Dollar. Ein Teil seines Erbes floss in soziale Stiftungen, wie dem „Pacific Hebrew Orphan Asylum“ oder dem „Home for aged Israelites“.

Nach dem Zweiten Weltkrieg eroberte die Levi‘s die Welt. US-amerikanische Soldaten brachten die Jeans auch nach Deutschland. Die Hose wurde zum universellsten Kleidungsstück in der Mode-Geschichte. Dem deutschstämmigen Juden aus der fränkischen Provinz Levi Strauss war es gelungen, ein Produkt zu entwickeln, das trotz Massenfertigung den Wunsch nach Individualität und Identifikation verkörpert.

Seit September 2000 ist im Geburtshaus des berühmten
Hosenerfinders das Levi-Strauss-Museum untergebracht. (Repro: Levi-Strauss-Museum)

Sein Leben und Wirken sowie die Geschichte der Buttenheimer Landjuden werden im Levi-Strauss-Museum nacherzählt, das in seinem aufwändig renovierten und denkmalgeschützten Geburtshaus untergebracht ist.

Quellen:

www.levi-strauss-museum.de

Katja Doubek, Blue Jeans. Levi Strauss und die Geschichte einer Legende, München 2004.

Tanja Roppelt, Geburtshaus Levi Strauss Museum – Jeans und Kult in Buttenheim. Ein Museum rund um die Hose, in: Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege (Hg.), Museum heute 21, München 2002.